Schluss.Zeichen
Formen der Dekonstruktion des Buches.
Mit Arbeiten von Albert Coers (Berlin), Loek Grootjans (Breda), Jean-Pascal Flavien (Berlin) / Julien Bismuth (New York) und Jovana Popic (Berlin).
Artothek, Bildersaal
Eröffnung: Dienstag, 19.10.2010, 19 Uhr
Performance:
Jean-Pascal Flavien, Julien Bismuth und eine Ziege
Ausstellungsdauer: 20.10.6.11.2010
Weiterer Besuch der Ziege:
Mittwoch, 27.10.2010, 1418 Uhr
Albert Coers (geboren 1975) studierte Literaturwissenschaft und Bildhauerei. Er lebt und arbeitet in München. In seinen raumbezogenenen Installationen entledigt Albert Coers Objekte, meist Bücher, ihrer ursprünglichen Funktion und ihres Standorts und stellt sie in einen neuen Kontext. Als skulpturale Baumasse zitieren sie architektonische Elemente, fügen sich parasitär in den Raum ein und
verweisen auf die Spannungsfelder Ordnung und Chaos sowie Stabilität und Instabilität.
Für die Ausstellung entwickelte Jean-Pascal Flavien zusammen mit Julien Bismuth eine neue Version des Projekts “no drama book store”, das Flavien ursprünglich für die Lyon Biennale (2007) umsetzte. Er thematisiert hier auf poetische Weise die intime Beziehung von Menschen zu Büchern. Die Installation umfasst unter anderem Besuche einer Ziege, die in ihrem Gehege neben Stroh und Wasser auch mit Büchern versorgt ist.
Jean-Pascal Flavien (geboren 1971 in Frankreich) lebt und arbeitet in Berlin. In seiner Arbeit kombiniert er architektonische Expermimente, Buchpublikationen und Performance mit anderen Medienformaten wie Video, Zeichnung, Installation und Skulptur. Julien Bismuth (geboren 1973 in Frankreich) arbeitet als Schriftsteller und Künstler in New York. Seine Arbeit umfasst Malerei, Zeichnung und Installation und zeichnet sich durch das besondere Interesse an performativer Narration aus, die im Spannungsfeld zwischen visueller Kunst und Literatur verankert ist. Seit 2005 führen sie gemeinsam das Publikationsprojekt Devonian Press. Darüber hinaus kollaborierten Flavien und Bismuth im Rahmen von mehreren Performances. Darunter “Plouf!” (Rio und Tate Modern, London), eine Leseperformance auf einem Boot, die von einer Serie von Signalen, die Teile des Textes wiederholten, begleitet wurde.
Der Künstler und Philosoph Loek Grootjans (geboren 1955 in den Niederlanden) strebt in seinen Arbeiten eine intensive Bewusstseinserfahrung und die Verschränkung zwischen Leben und konzeptuellen Ideen an. Sein tiefes, intellektuelles Interesse für die Schriften von Spinoza schärfen hierbei ebenso wie die genauen Beobachtungen seines Umfelds die Analyse innerhalb seines Arbeitsansatzes. 1998 gründete er die “Foundation for the benefit of the aspiration and the understanding of context (formerly known as the institute for immediate knowledge, real perception and logic features according to the most contemporary monochrome paintings)” in London. Derzeit umfasst es 60 Abteilungen, 6 Büros und ist weltweit tätig. Einer der Arbeiten der “ Abteilung für eingehende Korrenspondenz” ist der Brief aus Riad, in der der Künstler aufgefordert wird seine umfangreiche Bibliothek zu zerstören. Im Rahmen der Ausstellung wird der Originalbrief zusammen mit der Asche der verbrannten Bibliothek gezeigt.
Jovana Popic (geboren 1977 in Kroatien) lebt und arbeitet in Berlin. Ihren Arbeiten geht die intensive Recherche über Menschen, Kultur und Geschichte eines Ortes voraus. Charakteristisch für die Umsetzung in den Medien Zeichnung, Installation, Video, Fotografie oder Ton ist die Übersetzung komplexer Beziehungen in ein autarkes Raum-Zeit-Gefüge.
Die Videoarbeit „Die Chronik“ (2006) entstand in der alten Grundschule des Dorfes Ervenik, die während des Kroatienkrieges (1991-1995) beschädigt wurde und seitdem leer steht.
Mit minimalen Mitteln erzählt das Video von Krieg und seinen Folgen und von der Abwesenheit der Menschen.
>> zurück
Abb.: Dokumentation des “no drama book stores”, Lyon Biennale (2007)
2007, Jean-Pascal Flavien