Der Verein für Original-Radierung bietet ein Forum für die unterschiedlichsten Techniken, Auflagen von einem künstlerischen Werk herzustellen. Sein Ziel ist es die Kenntnisse über diese Techniken anhand zeitgenössischer Beispiele zu vertiefen, zu fördern und ihre besondere Stellung in der Kunst nachvollziehbar zu machen, da die Auflage heute ein nachrangiger Effekt geworden ist und die besondere künstlerische Wirkung meist im Vordergrund steht.
Die grundlegenden Verfahren werden hier kurz vorgestellt.


Hochdruck

Der Hochdruck ist die Wiege der europäischen Drucktechnik. Die druckenden Teile sind erhaben. Abgedruckt werden nur die hochstehenden Linien, Stege oder Flächen der Druckform. Es ist ein direktes Druckverfahren, das heißt, die Druckplatte gibt die Farbe direkt auf den Druckträger, z.B. Papier ab. Im künstlerischen Bereich gehören zu den Hochdruckverfahren als älteste Technik der Holzschnitt und der als Alternative zum Kupferstich vor allem für den Buchdruck entwickelte Holzstich sowie der erst um 1900 etablierte Linolschnitt.

Tiefdruck

Das Tiefdruckverfahren ist eine Drucktechnik, bei der die abzubildenden Elemente als Vertiefungen in der Druckform vorliegen. Die gesamte Druckform wird vor dem Druck eingefärbt und die überschüssige Farbe danach mit einer Rakel oder einem Wischer entfernt, so dass sich die Druckfarbe nur noch in den Vertiefungen befindet. Ein hoher Anpressdruck und die Adhäsionskräfte zwischen Papier und Farbe bewirken die Farbübertragung. Klassische künstlerische Verfahren sind das älteste Tiefdruckverfahren, der Kupferstich, die im 16. Jahrhundert entwickelte Radierung und die Aquatinta die im 18. Jahrhundert zur Reproduktion von Gemälden entwickelt wurde und bis heute wegen ihrer malerischen Wirkungen geschätzt wird. Auch im digitalen Zeitalter bietet der Tiefdruck eine unendliche Vielfalt an Kombinationen und lädt zu Experimenten ein.

Flachdruck

Beim Flachdruck liegen druckende und nichtdruckende Partien in einer Ebene. Das Prinzip basiert hier auf dem chemischen Gegensatz von Fett und Wasser. Während die druckenden Partien fettfreundlich sind, werden die nichtdruckenden Stellen mit einem Wasserfilm befeuchtet und stoßen die fettreiche Druckfarbe ab. Die druckenden, fettfreundlichen Partien werden mit Tusche, Fettkreide, Fettstiften oder auf fotografischem Wege aufgetragen und nehmen Farbe an. Die nichtdruckenden Stellen hingegen sind hydrophil aufbereitet, nehmen das Feuchtwasser auf und stoßen die Farbe im Druckprozess ab.
Aus der um 1800 vor allem von Alois Senefelder entwickelten Lithographie entstanden auch alle modernen Flachdruckverfahren wie der Offsetdruck.

Durchdruck

Das bekannteste Durchdruckverfahren ist der seit den 1940er Jahren künstlerisch genutzte Siebdruck oder die Serigrafie bei der die Druckfarbe mit einem wischerähnlichen Werkzeug, der Gummirakel, durch ein feinmaschiges textiles Gewebe hindurch auf das zu bedruckende Material gedrückt wird. Die Druckform des Siebdrucks besteht aus einem Rahmen, der mit einem Gewebe aus Metall- oder Kunststoff bespannt ist. Das Gewebe trägt eine Schablone aus Kunststoff, zu deren Herstellung die gesamte Fläche des gespannten Gewebes mit einem Fotopolymer beschichtet und über einen positiven Film mit dem zu druckenden Motiv belichtet wird. Das Fotopolymer erhärtet an den nicht druckenden Stellen, das unbelichtete Material wird ausgewaschen. Beim Druckvorgang tritt die Druckfarbe nur dort durch Gewebe, wo dieses freigewaschen wurde

Fotografie

Fotografie definiert sich als eine bildgebende Methode, bei der mit Hilfe von optischen Verfahren ein Lichtbild auf ein lichtempfindliches Medium projiziert und dort direkt und dauerhaft gespeichert (analoges Verfahren) oder in elektronische Daten gewandelt und gespeichert wird (digitales Verfahren).
Schon kurz nach 1900 wurden Fotografien als jüngste der vervielfältigenden Künste zum Beispiel vom Dresdner Kupferstichkabinett in seine Sammlung aufgenommen. Bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nutzten französische Maler das Verfahren des Cliché verre um Zeichnungen zu reproduzieren, was im Kunstbetrieb als künstlerisches Verfahren akzeptiert wurde. Bis aber die zunächst als industrielle Technik angesehene Fotografie als künstlerisches Verfahren durchgesetzt war, bedurfte es eines langen Weges, der erst in den 1970er Jahren allmählich zum Ziel führte.

Digitaldruck

Das jüngste Druckverfahren ist der Digitaldruck, bei dem das Druckbild direkt von einem Computer in eine Druckmaschine übertragen wird, ohne dass eine statische Druckform benutzt wird. Bei dem Drucksystem handelt es sich meist um ein elektrofotografisches wie einen Laserdrucker, der für hohe Auflagenzahlen konstruiert ist oder – als älteste Digitaldrucktechnik bis heute für besonders hochwertige Drucke verwendet – der Tintenstrahldruck, bei dem die Farbe auf den Druckträger gesprüht wird

Multiple

Unter einem Multiple (englisch, deutsch: Auflagenobjekt) versteht man eine künstlerische Arbeit, die in der Gegenwartskunst der Druckgrafik im dreidimensionalen Bereich entspricht, aus einer bestimmten Anzahl von seriell hergestellten Objekten besteht und vom Künstler als Multiple autorisiert ist.